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Hausarbeit: Das Geheimnis der Mysterien von Eleusis  

Autor: Florian Brauel (FB)

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mysterien

3. Der Ursprung der eleusischen Mysterien anhand des Demeter-Hymnus und nach Ovid

4. Der heilige Bezirk von Eleusis

5. Der Ablauf der Mysterien
5.1 Die Kleinen Mysterien
5.2 Die Großen Mysterien
5.3 Die Prozession nach Eleusis
5.4 Die Feiern im Heiligtum

6. Das Schweigegelübde
6.1 Mysterienverrat

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis:

 


1. Einleitung

Seit archaischer Zeit, ab dem späten achten Jahrhundert vor Christus, wurden alljährlich 20 km westlich von Athen die Mysterien von Eleusis abgehalten. Sie strahlen auch heute noch eine ungeheure Faszination aus: sie sind Geheimnis umwoben und man weiß bis heute nicht, wie konkret die Feiern abgelaufen sind, denn die Teilnehmer an der höchsten Zeremonie unterlagen einem Schweigegelübde, auf dessen Bruch die Verbannung oder sogar die Todesstrafe standen. Die Mysterien hielten sich mehr als 1000 Jahre, bis die Heiligtümer 395 nach Christus vom Gotenkönig Alarich zerstört wurden. Der Kult begründete sich auf Getreide, Ackerbau und die Unterwelt. Sie stellten einen Vorreiter für viele andere Mysterienkulte dar und erfuhren ihre starke Ausbreitung über die Peloponnes, Alexandria und Kleinasien mit dem Aufstieg Athens in der klassischen Zeit. Trotzdem waren sie immer an das Kultzentrum in Eleusis gebunden, d.h. nur dort konnten sie gefeiert werden. Die Mysterien gehen auf den Demeter-Kult zurück, der im homerischen Demeter-Hymnus beschrieben ist. Die Teilnehmer berichteten von außergewöhnlichen Erfahrungen - die Mysterien müssen außerordentlich gewirkt haben.
Die Mysten durchliefen drei Stufen der Einweihung: die Kleinen Mysterien, die neuntägigen Großen Mysterien, die mit einer Prozession ins Heiligtum von Eleusis und der dortigen Schau (epopteia) endeten.
Die Mysterien von Eleusis gelten als die am besten erforschten Mysterien überhaupt. Dieser Hausarbeit liegen vor allem Eleusis and the Eleusinian Mysteries von E. Mylonas aus dem Jahr 1961 und Die Mysterien von Eleusis von Karl Kerényi (1962) zu Grunde, dazu kommen M.P. Nilssons Abhandlung über Eleusis in seiner Geschichte der Griechischen Religionen (1955) und auch Walter Burkerts Beitrag Antike Mysterien: Funktion und Gehalt (1994). Trotz der guten Forschungslage bleibt die höchste Stufe der Einweihung im Dunkeln. Während der Rest der Mysterien öffentlich war, wurde die Epopteia durch ein Schweigegelübde streng geheim gehalten.
Kern dieser Hausarbeit ist die Rekonstruktion der Geschehnisse im Heiligtum von Eleusis, sowie eine Analyse des Schweigegelübdes. Was geschah hinter den Mauern des heiligen Bezirks? Wie genau sah die Epopteia aus? Warum waren die Mysterien so ungemein erfolgreich? Lässt sich erschließen, warum die Eingeweihten so fasziniert von der "Schau" waren? Wie konnten sich die Mysterien so lange halten? Warum wurden Vergehen gegen das Schweigegelübde so stark bestraft? Gab es Teilnehmer, die das Geheimnis verrieten? Diese Fragen werden in der vorliegenden Arbeit geklärt.
Zunächst wird eine Definition antiker Mysterien gegeben und der Ursprung der eleusischen Mysterien umrissen. Danach wird der homerische Demeter- Hymnus vorgestellt, der in der Forschung als Gründungslegende für die Mysterien von Eleusis gilt. Im weiteren Verlauf wird der heilige Bezirk von Eleusis beschrieben und danach auf den Ablauf der Mysterien eingegangen. Schwerpunkt sind die Feiern im Heiligtum. Hier soll bereits auf die Erwartungen und Hoffnungen, sowie das Wirken der Epopteia auf die Mysten eingegangen werden. Der daran anschließende Teil widmet sich dem Schweigegelübde um Eleusis, bevor ein Fazit die in der Hausarbeit gewonnen Erkenntnisse zusammenträgt und abrundet.

2. Mysterien

Mysterien waren Kulte, in die man sich einweihen lassen konnte. Die Eingeweihten mussten über die dortigen Handlungen Geheimhaltung üben. Gemeinsam war allen Mysterien ein gewisses Interesse am Leben nach dem Tod. Man kann die Einweihung in Mysterien nicht mit dem Eintritt in eine Religion gleichsetzen. Vielmehr konnten die Verehrungen mehrerer Götter und die Einweihung in verschiedene Mysterien nebeneinander existieren.
Die Weihungszeremonie war eine Art Taufe. Die Begriffe orgia, teletai und telos waren eng mit dem Begriff der Mysterien verbunden. Die Orgia war die Kultfeier, die Teletai war das Geheimwissen um den Kult und das Telos war das Ziel, warum man sich unter den Schutz einer besonderen Gottheit stellte. Warum stellte man sich also unter den Schutz einer Gottheit, indem man sich bei den Mysterien einweihen ließ? Scheinbar haben "herkömmliche" Gottheiten für manchen Menschen nicht mehr ausgereicht. Die Anhänger mussten besondere Dienste vollbringen, ehrfürchtig leben, rechtschaffen und moralisch sein. Als Urtyp der Mysterien gelten die Mysterien von Eleusis. Der Begriff mysteria war ursprünglich der athenische Ausdruck für das Fest der Demeter und der Kore in Eleusis. Erst später stand er für eine Vielzahl anderer Kulte.
Wann genau die Mysterien in Eleusis entstanden, ist ungewiss. Der Kult um Demeter scheint bereits sehr früh außerordentlich beliebt gewesen zu sein, vermutlich gehen seine Wurzeln bis in die mykenische Zeit zurück. Die Verbindung des Kultes mit den zwei adligen Geschlechtern der Eumolpiden und Kerykes deutet daraufhin, dass der Kult ursprünglich ein genos- Kult war. Die Eumolpiden stellten den Hierophanten, also den höchsten Priester, wörtlich: derjenige, der die heiligen Dinge sichtbar macht, die Kerykes stellten den Daduchos, den Fackelträger und den Hierokeryx, den Opferherold. Anderenorts waren mit dem Kult um Demeter auch Schönheitswettbewerbe verbunden. Dies spricht dafür, dass der Kult auch Ursprünge in Initiationsriten hat, bei denen Jugendliche in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen wurden. Scheinbar wurde mit der Zeit aus den archaischen Bräuchen der Initiation der Mysterienkult. Die Mysterien wurden von der Polis Athen organisiert und vom archon basileus beaufsichtig, die Hauptaufgaben lagen aber bei der Priesterschaft. Teilnehmen durfte praktisch jeder, der der griechischen Sprache mächtig war: Männer, Frauen, Fremde und auch Sklaven ließen sich einweihen. Eine mehrmalige Einweihung war möglich. Die Riten in Eleusis beinhalteten die dromena (heiliges Tun), die deiknomeia (heiliges Zeigen) und die logomena (heiliges Sprechen).

3. Der Ursprung der eleusischen Mysterien anhand des Demeter-Hymnus und nach Ovid

Grundlage für unser Wissen um den Demeter-Kult ist der homerische Demeter-Hymnus. Er wurde im 18. Jahrhundert entdeckt und geht auf die Königszeit in Attika, also das späte siebte bzw. frühe sechste Jahrhundert vor Christus zurück. Der Text ist trotz seines Namens nicht auf Homer zurückzuführen. Wahrscheinlich ist er aber kurz nach Homer entstanden und trägt die Charakteristik des homerischen Erzählstils. Der homerische Demeter-Hymnus ist die erste uns bekannte schriftliche Fixierung der Rhapsodien um Demeter, die von umherziehenden Sängern vorgesungen wurden. Den Götterglauben um Demeter gab es mit Sicherheit schon länger, doch bei dem uns vorliegenden Text handelt es sich um einen so genannten aition, der Gründungslegende, die eine Erläuterung oder Erklärung der eleusischen Mysterien liefert. Obwohl der Text schriftlich fixiert ist, stellte er keine Verbindlichkeit dar - es ist keine Bibel und es wird zahlreiche Varianten des Hymnus gegeben haben.
Der Hymnus erzählt die Entführung von Demeters Tochter Kore durch den Herrscher der Unterwelt Hades. Demeter hört die Schreie Kores, die beim Blumenpflücken entführt wird, und sucht mit Fackeln in den Händen neun Tage nach ihrer Tochter. Während dieser Zeit nimmt sie keine Nahrung zu sich. Als sie auf die Göttin Hektate trifft, gehen die beiden gemeinsam zum Sonnengott Helios. Dieser erklärt, Kore sei von Hades entführt worden und der Göttervater Zeus habe die Entführung geduldet. Demeter meidet daraufhin die Welt der Götter. Sie gibt sich als Mensch aus und kommt als Amme zum Hof des Königs Keleos in Eleusis, wo sie sich um den Königssohn Demophon kümmert. Als Demophons Mutter Metaneira eines Nachts entdeckt, dass Demeter den Jungen in ein Feuer steckt, erzürnt die Göttin. Sie habe den Jungen unsterblich machen wollen, doch die Klagen der Mutter hätten sie daran gehindert. Demeter gibt sich zu erkennen und fordert, dass ihr ein Tempel gebaut und dass ein Fest zu ihren Ehren abgehalten werden solle. In ihrem Zorn und Kummer lässt sie das Getreide eingehen und kümmert sich nicht mehr um die Natur. Zeus sieht die Menschen in Gefahr und schickt den Götterboten Hermes zu Hades, um Kore zurückbringen zu lassen. Als Hades die erfreute Kore entlässt, gibt er ihr heimlich einen Granatapfelkern zu essen. Durch dieses Sakrament bleibt sie mit der Unterwelt verbunden und wird als Königin der Unterwelt zu Persephone. Demeter ist zwar überglücklich, ihre Tochter wieder zu haben, doch erkennt sie den Hinterhalt des Hades. Zeus schlägt den Kompromiss vor, dass Persephone acht Monate des Jahres mit ihrer Mutter verbringen darf und vier Monate bei Hades bleiben muss.

Der Demeter-Mythos erklärt den Menschen die Jahreszeiten: acht Monate - die Zeit die Kore bei ihrer Mutter verbringt - sind geprägt von der Blüte der Natur, die vier Monate bei Hades erklären den Winter - die Zeit in der Demeter um ihre Tochter trauert und die Natur vernachlässigt. Kore isst bei Hades einen Samen - dies steht symbolisch für das Saatgut und das Aufkeimen im Frühjahr. Der Hymnus legitimiert die Mysterienfeiern: Demeter zu Ehren ist ein Heiligtum in Eleusis errichtet worden. Laut Hymnus befiehlt Demeter den Bau des Tempels mit einem Altar. So, wie Demeter es bei der Suche nach ihrer Tochter tat, sollen die Einzuweihenden fasten. Fackelträger bei den Mysterien symbolisieren Demeters Suche mit Fackeln in den Händen. Das Fasten der Teilnehmer an den Mysterien wird mit dem Trinken des kykeon, einem Getränk aus Frauenminze und Gerste, gebrochen. Dieses hatte Demeter von den Töchtern des Königs Keleos gefordert, als diese ihr Wein angeboten hatten.
Burkert geht davon aus, dass weitere im Hymnus beschriebene Handlungen zum Initiationsritual gehört haben müssen: "[Demeter] setzt sich auf einen Schemel, auf dem ein Widderfell liegt, verhüllt ihr Haupt, schweigt und schließlich zum Lachen gebracht wird." Den Platz am Brunnen, an dem sich Demeter in ihrer Trauer niedergelassen hat, dürfen die Mysten allerdings nicht betreten.

Eine Variante des Demeter-Hymnus hat Ovid verfasst. Hier liegt der Sohn des Keleos, Triptolemos, krank in einer ärmlichen Hütte. Als Demeter abends für diesen Mohn zum Schlafen sammelt, bricht sie ihr Fasten. Hieraus schließt Ovid, dass die Mysten in Eleusis ihr Fasten bei Anbruch der Dunkelheit brechen. Persephone muss nach Ovid sechs Monate bei Hades bleiben.
Triptolemos gewann mit dem Aufstieg Athens mehr und mehr an Bedeutung. Er galt als attischer Kulturheld, der, nachdem er von Demeter den Ackerbau gezeigt bekommen hatte, den Menschen die Landwirtschaft lehrte. Darin steckt eine der wichtigsten Eigenschaften der eleusischen Mysterien: Demeter gibt das Wissen um den Ackerbau an Triptolemos, einen attischen Bürger, weiter. In der Vorstellung der Griechen war das Wissen um den Ackerbau der Schritt in die Zivilisation. Die Athener sahen deswegen in dieser göttlichen Gabe einen Auftrag, bzw. eine Legitimation für ihre spätere Vormachtsstellung. Die eleusischen Mysterien erklären somit auch das attische Sendungsbewusstsein, ihre Kultur an andere Staaten weiterzugeben.

4. Der heilige Bezirk von Eleusis

Archäologisch nachweisbar ist ein Heiligtum in Eleusis bereits seit archaischer Zeit. Während der Tyrannenherrschaft der Peisistraiden in Athen (561-510 v. Chr.) wurde aus dem lokalen Kult ein offizieller attischer Staatskult. Dies lag vor allem an herrschaftspolitischen Überlegungen der Tyrannen: als zentraler Kult ganz Attikas festigte er die Position Athens und damit der Herrschaft der Peisistraiden. Jochen Bleicken nennt die Söhne des Peisistratos als Bauherren für einige Neubauten im heiligen Bezirk von Eleusis.
Von Athen nach Eleusis führte die hiera hodos, die heilige Straße. Diese endete auf dem Vorplatz oder Vorhof des Heiligtums vor den großen Propyläen. Der heilige Bezirk wurde von hohen Festungsmauern umschlossen, die nach den Perserkriegen nochmals erweitert wurden. Durchschritt man die großen Propyläen, so gelangte man in den Innenhof vor den inneren Propyläen, auf dem die Teilnehmer der eleusischen Mysterien die erste Stufe der Einweihung (myesis) erfuhren. Von den inneren Propyläen führten Treppen hinauf zum Weihehaus. Der heilige Bezirk durchlebte in den Jahrhunderten seines Bestehens immer wieder Um- und Ausbauten. Vor dem großen Weihehaus hatten sich zu den verschiedenen Zeiten kleinere Tempel, ein Opferherd, zwei Altäre, ein Tanzplatz und eine Brunnenanlage befunden, die den Platz darstellte, an dem sich Demeter trauernd niedergelassen haben soll. Karl Kerényi geht davon aus, dass sich in Eleusis auch ein so genannter Erdnabel befunden haben muss, der das Band zwischen Unter- und Oberwelt darstellte. Er vermutet den Nabel im plutonion, einer Grotte, die den Zugang zur Unterwelt angedeutet haben soll.
Das Zentrum des heiligen Bezirkes bildete das Weihehaus (telesterion), das den Palast (anaktoron) beinhaltete.
Zur perikleischen Zeit erweiterte der Baumeister des Parthenon, Iktions, das Gelände und baute das Telesterion zu einem mächtigen quadratischen Gebäude aus, das die anderen Gebäude überragen sollte. Es bekam Zugänge von drei Seiten, eine dekorative Säulenhalle und ein pyramidales Dach mit einem Kamin an der Spitze.

Im Anaktoron gab es einen flachen Altar mit einem Eingang. Dieser war das zentrale Heiligtum in Eleusis. Daneben befand sich der Thron des Hierophanten. Zwar wurde das Telesterion im Laufe der Zeit mit wachsender Beliebtheit immer weiter ausgebaut. In seiner spätesten Ausbaustufe fasste es bis zu 3000 Menschen und war 54 mal 54 Meter groß. Der Altar blieb jedoch immer an seinem ursprünglichen Platz. Der Thron des Hierophanten befand sich vor dem einzigen Eingang des Altars und er war zu drei Seiten abgeschirmt, damit den Hierophanten nichts in seiner Konzentration stören konnte.

5. Der Ablauf der Mysterien

Die Mysterien von Eleusis bestanden aus drei Teilen: Erst die Teilnahme an kleinen Mysterien (myesis) berechtigte die Kandidaten für die Initiation in den Großen Mysterien (mysteria), die insgesamt neun Tage andauerten und mit der höchsten Stufe der Einweihung, der Epopteia, im Heiligtum von Eleusis endeten. Die Teilnehmer der Myesis durften erst im folgenden Jahr an den großen Mysterien teilnehmen.

5.1 Die Kleinen Mysterien

Die Kleinen Mysterien wurden im Monat anthesterion (Februar/ März) gefeiert. Die Läuterung für die Initiation (Aufnahme in den Kreis der Mysten) erfolgte unter anderem durch die Opferung eines Ferkels und die Reinigung durch das Baden im Fluss Ilissos.

5.2 Die Großen Mysterien

Die Mysteria fanden im Monat boedromion (August/ September) statt, dem ersten Monat des attischen Kalenders. Sie dauerten neun Tage. Am 14. Boedromion wurden die heiligen Gegenstände von Eleusis zum eleusinion, einem Tempel am Fuße der Akropolis gebracht. Am 15. Boedromion erklärten die Hierophanten den offiziellen Beginn der Riten (prorrhesis). Einen Tag später begannen die Zeremonien mit der feierlichen Waschung der Mysten im Meer bei Phaleron und der Opferung einer Sau (17. Boedromion). Der 18. Boedromion war ein Ruhetag für die Mysten, an dem sie zu Hause bleiben mussten.


5.3 Die Prozession nach Eleusis

Am 19. erfolgte die Prozession der Festgemeinde vom Athener Friedhof im kerameikos nach Eleusis. Wahrscheinlich wurde die Prozession von den hohen Würdeträgern, dem Hierophanten, Daduchos und den Hierokerykes, angeführt. Die Mysten, die als Erkennungsmerkmale Myrtenzweige und Backchoi-Stäbe, im weiteren Verlauf der Prozession einen Faden an der rechten Hand und dem linken Fuß trugen, passierten mehrere Abschnitte auf ihrem Weg. Den gesamten Marsch begleiteten Gesang und Tanz.
Wahrscheinlich wurden ebenso Obszönitäten gerufen, die sich auf Iambe, eine der Königstöchter des Keleos, bezogen, die laut Demeter-Hymnus Demeter mit einem Scherz aufgeheitert hatte, indem sie ihren Rock geliftet und ihr Geschlecht gezeigt hatte. Die inneren Propyläen in Eleusis, die wir in ihrer Form zur Zeiten Ciceros kennen, zeigen "zwei korbtragende mächtige Frauengestalten" , vermutlich Priesterinnen, die bei der Prozession die heiligen Gegenstände zurück nach Eleusis trugen. Dabei handelt es sich um die cista mystica , einem runden mit einem Deckel verschließbaren Korb für die Gegenstände, die bei den Zeremonien benötigt wurden: das Kykeon, Rosetten, runde Kuchen, Sprossen und Ähren, Myrtenbündel und Mohnkapseln. Diese Gegenstände waren nicht geheim, denn sie wurden öffentlich bei der Prozession getragen.
Die genauen Abläufe ab der Ankunft in Eleusis bis zur Auflösung der Festgemeinde sind ähnlich unklar wie der Ablauf der Epopteia: Gegen Einbruch der Nacht kamen die Mysten in Eleusis an. Der 20. und 21. Boedromion diente zur Vorbereitung mit Fasten. Zudem ruhten sich die Einzuweihenden aus. Dieses Fasten wurde mit dem Genuss des Kykeons gebrochen.


5.4 Die Feiern im Heiligtum

Was nun in der Nacht vom 21. auf den 22. Boedromion folgte, war der geheime Teil der Mysterien. Bis heute haben wir keine genauen Kenntnisse über den Ablauf der Orgia, die in der Nacht vom 20. auf den 21. Boedromion stattfand, schließlich trugen die Feiern den Charakter des Unsagbaren (arrheta) und Verbotenen (aporrheta) und die Teilnehmer waren an das strenge Schweigegelübde gebunden.
Die Forschung muss sich auf Andeutungen und Fragmente diverser Quellen stützen, dazu kommen Inschriften und die Ikonographie, und ist deswegen zu Mutmaßungen ob des genauen Ablaufs gezwungen.
Einige Berichte über die Epopteia stammen von christlichen Schriftstellern, die sich nicht an das Schweigegelübde gebunden fühlten. Diese Darstellungen sind jedoch oft polemisch gegen die heidnischen Riten gerichtet und von Fehldeutungen des Gesehenen gekennzeichnet. Burkert nennt fünf Kategorien von Quellen, die uns ein wenig Aufschluss über die Epopteia liefern:
1. Die Topographie des eleusischen Heiligtums
2. Der Demeter- Hymnus
3. Ein Relieffries mit Initationsszenen
4. Das synthema, das uns Clemens von Alexandrien überliefert hat und
5. Eine Überlieferung durch Hippolytus.
Nach Ansicht Kerényis stieg die Festgemeinde vom Plutonion unter der Führung eines "Knabenzelebranten" die Treppen zum Telesterion hinauf. Dieser Knabe wurde aus den vornehmen Familien Athens ausgelost und auf Staatskosten eingeweiht. "Sein mythologisches Vorbild war jener Demophon, der Königssohn, den Demeter unsterblich machen wollte." Die Menge versammelte sich nun im Telesterion, wo der Knabe die nun mutmaßlich für die Festgemeinde vorgeschriebenen heiligen Handlungen unter priesterlicher Leitung ausführte. Er sollte als Stellvertreter des Demophon die Gottheit für die kommenden Handlungen erweichen, so Kerényi.
Während Kloft betont, dass die Initiation "vom passiven Schauen [...] und nachahmenden Tun" gekennzeichnet war , weist Nilsson darauf hin, dass die Epopteia für die Mysten in erster Linie eine passive Sache gewesen ist. Dennoch müssen die heiligen Gegenstände, die in der cista mystica aufbewahrt wurden in irgendeiner Art und Weise verwendet worden sein, denn das Dromena (das heilige Tun) gehörte wie oben erwähnt immer zu einem Kult dazu. Dies kann deshalb zum einen nur vom oben erwähnten Knaben durchgeführt worden sein, der stellvertretend für alle Mysten mit den Gegenständen hantierte oder zum anderen vom Hierophanten - wie hätten dreitausend Mysten die Handlungen in einer Nacht vollziehen sollen? Dem widerspricht allerdings der Bericht Clemens von Alexandrien: "Ich fastete - ich trank den Mischtrank (Kykeon), ich nahm aus der Kiste, ich hantierte (mit Gegenständen) und legte in den Korb und aus dem Korb wieder in die Kiste." Er berichtet weiter:
[The] contents of the mystic chest; […] I must strip bare their holy things and utter the unspeakable. Are they not sesame cakes, pyramid and sperical cakes […] also balls of salt, [...] pomegranates, round cakes and poppies? These are their holy things! [...] and a woman's comb, which is euphemistic expression used in the mysteries for a woman's secret parts.

Handelte es sich also bei den heiligen Gegenständen, die in Eleusis zur Anwendung kamen, um Vulva- oder Phallussymbole? Anfang des vorigen Jahrhunderts, so Nilsson, waren Dietrich (1903) und Körte (1915) noch davon ausgegangen. Diese Meinung wird von der heutigen Forschung nicht geteilt . Die eleusischen Mysterien waren in erster Linie ein Ackerbau- Kult und deshalb ist eher von Geräten zur Feldbestellung bzw. Getreideverarbeitung auszugehen. Mylonas gesteht: " [...] we have to confess that we do not know what those sacred objects were. "

Im Heiligtum erfolgte die Epopteia, also die Schau. Doch was wurde geschaut? Die Antwort liefert ein Papyrusfragment aus hadrianscher Zeit, in dem Herakles die Einweihung in die Mysterien von Eleusis verwehrt wird. Darin heißt es:
Längst (oder: anderswo) bin ich schon eingeweiht. Schließe Eleusis zu, (Hierophant), und lösche das Feuer aus, Daduchos! In echtere Mysterien bin ich schon eingeweiht worden! […] Ich schaute in das Feuer, woher (… und) die Kore habe ich gesehen!

In der Epopteia ging es also offensichtlich darum, Kore zu "schauen", bzw. sie aus der Unterwelt hervorzuholen.

Wir wissen aus Kommentaren von Grammatikern um das echeion, so Kerényi. Dort wird es als Instrument erklärt, das beim Feiern der Epopteia im Gebrauch war: mit dem Schlagen des Echeion wurde Kore gerufen. Dieser Gong muss ein "mächtiges Requisit von erschütternder Wirkung" gewesen sein, der auch im griechischen Theater zur Verwendung kam. Das Schlagen des Gongs symbolisierte Donner, der nach Auffassung der Griechen auch aus der Unterwelt kam.
Das Telesterion muss in eine besondere Atmosphäre getaucht gewesen sein. Hunderte Mysten schauten im Licht der Fackeln gespannt auf das Anaktoron. Die mächtigen Gongschläge des Echeion erklangen und riefen Kore aus der Unterwelt hervor. Von Hippolytus wissen wir, was dann geschah : Ein großes Licht/Feuer erschien, als sich das Anaktoron öffnete. Der Hierophant rief "Die Herrin hat ein heiliges Kind geboren, Brimo den Brimos", (dies ist also ein Teil der Legomena) die Ankündigung der Geburt eines göttlichen Knaben und zeigte eine abgeschnittene Getreideähre (Deiknomena).

Anhand unserer Fragmente lässt sich also folgendes Bild der höchsten Zeremonie, der Orgia, die die Epopteia beinhaltet, zeichnen:
Die Menge, die beim Hereinströmen in das Anaktoron gedrängelt und in spannender Erwartung laut durcheinander geredet hatte, verstummte plötzlich. Dass diese Erwartung nicht nur positiv war, davon berichtet uns Aelius Aristides: "[Eleusis sei] zugleich das Schauerlichste und das Lichteste von allem, was den Menschen göttlich ist." Plutarch beschreibt das Erlebte wie folgt: "... Umherirren zuerst, ermüdende Umläufe, ängstliches Geschehen im Dunkeln, das kein Ziel findet; dann unmittelbar vor dem Ende all das Furchtbare, Schauder, Zittern, Schweiß und Staunen." Scheinbar erst wenn die Epopteia endet, löst sich diese Anspannung in unglaubliche Glückseligkeit auf.
Der Daduchos erzeugte mit seinen zwei Fackeln durch Ausnutzung von Licht- und Dunkeleffekten eine unheimliche Atmosphäre. Die Mysten, die sich bereits neun Tage lang mit rituellen Reinigungen und Fasten auf genau diesen Moment vorbereitet hatten, verharrten angespannt. Der Hierophant stand nun von seinem Thron auf. Vielleicht hatte der Hierophant giftigen Schierling zu sich genommen und war nun berauscht. Kerényi schreibt, die Stimme des Hierophanten sei so hoch gewesen, dass man glauben konnte, es handelte sich um einen Eunuchen.

Nilsson geht davon aus, dass es nun, vielleicht auch schon vorher oder später einen Chorreigen gab - Tanzchöre gehörten immer zu einem Kult dazu. Ob es an dieser Stelle auch ein Schauspiel gab, wissen wir nicht. Wenn es eines gegeben hat, wird wohl die Suche Demeters nach ihrer Tochter nachgespielt worden sein. Vermutlich wurde dieses aber vor oder nach der Epopteia ausgeführt.

Nun muss der Hierophant etwas gerufen haben, in dessen Folge sich das Anaktoron öffnete. Ein großes Licht brach hervor und ein Feuer loderte auf. Das Anaktoron besaß nach archäologischen Einsichten kein Dach, das Telesterion aber, wie oben beschrieben, eine Art Kamin, aus dem nun der Rauch aufstieg. Der Hierophant rief aus voller Kehle das oben beschriebene: Brimo den Brimos bedeutet "die Starke den Starken" und Brimo ist auch die Bezeichnung der Herrin des Totenreichs, also Kore. Was genau damit gemeint war, ist nicht ganz klar.
Es könnte sein, dass die Initianten damit gemeint sind, die durch die Teilnahme an den Riten Eingeweihte, also Starke, werden. Möglich ist auch der Bezug auf den Demeter-Hymnus. Die Totenherrin gebiert ein starkes Kind im Feuer - wie Demophon, der von Demeter ins Feuer gelegt wird, um ihn unsterblich zu machen.
Den Mysten wurde somit eingeprägt, dass wenn sie Vertrauen in die Göttin hätten, eine Geburt im Tode möglich sei - ein Verweis auf Unsterblichkeit. Nun intonierte der Hierophant den Ruf nach Kore und schlug das Echeion. Der Zustand der Epopteia trat ein und die Einzuweihenden müssen wohl eine Vision der Unterweltgöttin gehabt haben. Danach hielt der Hierophant eine abgeschnittene Ähre in die Höhe. Mit diesem Anblick wurden die Teilnehmer in die Realität zurückgeholt. Burkert stellt die Frage, in wie fern Drogen die Vision beeinflusst haben könnten. Er nennt die Möglichkeit, dass das Kykeon von berauschender Wirkung gewesen sein könnte und dass Mutterkorn, das in der Gegend um Eleusis vorkam, oder der oben beschriebene Mohn die Teilnehmer unter Drogeneinfluss gesetzt haben. Er räumt den Drogen, falls diese denn überhaupt konsumiert wurden, keine wichtige Stellung in den Feierlichkeiten ein.

Den eigentlichen Feiern im Heiligtum folgte mit der pannychis ein großes Fest, das die ganze Nacht hindurch andauerte. Der 22. Boedromion war wahrscheinlich Riten für die Toten gewidmet und am 23. Boedromion löste sich die Festgemeinde auf und die Initiierten gingen nach und nach einzeln nach Hause.

"Die Ähre", so Kerényi, "fasst alles zusammen, was Demeter und Persephone geschenkt haben." Sie symbolisiert das Leben und gleichzeitig den Tod: die abgeschnittene Pflanze lebt nicht mehr - dafür trägt die Ähre neues Leben als Saatgut in sich, das im Jahr darauf erblühen wird. Die Saat geht in die Erde und wird dann im Frühjahr/ Sommer aufkeimen und somit wieder auferstehen. Diese Naturgegebenheit wird mit der Geschichte um Demeter ausgedrückt. So wie das Korn geht Persephone in die Unterwelt hinab, um nach vier Monaten wieder zu ihrer Mutter zurückzukommen. Genau wie bei den göttlichen Vorbildern und der absterbenden Natur, hofft der Eingeweihte auf ein analoges Schicksal: Nach dem Tod folgt ein Wiederauferstehen der Seele, bzw. das Weiterleben in seinen Nachkommen. Der Myste konnte also durch die Teilnahme auf die Bewältigung der eigenen Todesangst hoffen. Die unmittelbare Begegnung mit der Göttin wird auch eine Begegnung mit dem eigenen Unterbewussten gewesen sein und die Einbindung des Mysten in den kosmischen Gesamtzusammenhang erklärt haben. Nicht zuletzt waren die eleusischen Mysterien agrarische Feiern. Die Mysten werden auch auf Begünstigung bei der Ernte durch Demeter gehofft haben.

6. Das Schweigegelübde

Mylonas weist zu Recht darauf hin, dass die Geheimhaltung um die Mysterien von Eleusis ein äußerst gut gehütetes Geheimnis war - und dies obwohl es die Feiern über tausend Jahre gab und hunderttausende an den Feierlichkeiten teilnahmen.
It is amazing indeed that the basic and important substance of the secret rites was never disclosed, when these Mysteries were held at Eleusis annually for some two thousand years , when a multitude of people from all over the civilized world was initiated...

Die Geheimhaltung war für die Mysterien nicht nur charakteristisch, sondern elementar. Deshalb standen auf den Bruch des Schweigegelübdes auch hohe Strafen. Diese reichten von Flüchen, die die Priester über den Verräter sprachen, über Konfiszierung des Besitzes, Verbannung, Vogelfreiheit bis zur Todesstrafe. Doch nicht nur die weltlichen Strafen hielten die Mysterienteilnehmer von der Preisgabe ihres Geheimnisses ab: auch, vielleicht sogar vor allem die Furcht vor der Strafe der Götter tat ihr Übriges. Für die Geheimhaltung der Kulthandlungen bei den eleusischen Mysterien gibt es weitere Erklärungen. Zum einen müssen die Rituale überwältigend gewesen sein und zum anderen wurden Äußerungen durch die große Ehrfurcht vor der Göttin zurückgehalten. Dass Demeter selbst laut Hymnus den Kult gestiftet hat, erklärt die hohe Verbindlichkeit der Auflagen und Erwartungen.

6.1 Mysterienverrat

Anhand von mehreren Beispielen soll deutlich gemacht werden, wie ernst die Athener das Schweigegelübde um die höchste Einweihungsstufe in Eleusis nahmen.

1.) Plutarch berichtet von einer Klage des Kimon Sohnes Thessalos gegen Alkibiades, der am so genannten Mysterienfrevel von 415 beteiligt war. Eines Nachts waren in Athen eine Vielzahl von Hermen-Statuen verstümmelt worden, was als religiöser Frevel galt. Außerdem wurden mehrere Personen beschuldigt, in ihren Häusern private Mysterien abzuhalten. Alkibiades (ca. 450 - 404 v. Chr.) gehörte zu den Hetairien, jugendlichen Adligen, die sich in Clubs organisierten und gegen die polis und somit die Demokratie operierten. Alkibiades wurde angeklagt, mit seinen Freunden betrunken die Mysterien "nachgeäfft" zu haben. Das Volk, angestachelt vom Demagogen und Feind des Alkibiades, Androkles, war erzürnt. Alkibiades sollte betrunken den Hierophanten von Eleusis nachgespielt haben, zwei seiner Freunde mimten anscheinend den Daduchos und den Herold; die übrigen Freunde stellten Mysten dar. Alkibiades war zum Strategen gewählt worden und er hatte die Volksversammlung überredet, im Jahr 414 v. Chr. mit einer gigantischen Flotte von 135 Trieren und über 30.000 Mann einem Verbündeten auf Sizilien zur Hilfe zu kommen. Die Klage erreichte ihn, als er bereits in See gestochen war. Seine Schiffsleute und Soldaten, unterstützen Alkibiades und drohten mit Boykott des Sizilienfeldzuges, würde Alkibiades verhaftet. Er und seine Freunde versuchten, die Klage abzuwehren. Sie sahen eine Chance, denn Alkibiades war dem Volk zu wichtig, als dass er die Zeit in der er als Stratege mit seiner Flotte kämpfen könnte, im Gericht verbrachte. Auch seine Gegner traten vor der Volksversammlung auf und forderten, dass Alkibiades Anklage aufgehoben bleibt, bis er von seinem Feldzug zurückkehrt. Alkibiades verwies auf seine große Verantwortung als Stratege und wollte den Vorfall sofort aus der Welt räumen. Tatsächlich wurde die Klage aufgeschoben. Trotz seiner Stellung drohten ihm Konfiszierung, priesterliche Flüche oder gar der Tod. Nach dem Scheitern der Sizilienexpedition lief er zum Feind Sparta über. Erst Jahre später kehrte er nach Athen zurück, wo man die Klage gegen ihn dann doch aufhob.
Ein weiterer Beteiligter am Mysterienfrevel von 415 war der Redner Andokides. Angeblich hatte er einen Ölzweig im Eleusinion abgelegt. Auch er nahm am Sizilienfeldzug teil und ging nach diesem ins Exil. Erst viele Jahre später konnte er nach Athen zurückkehren, nachdem er sich mit seiner Rede "Über die Mysterien" verteidigt hatte.
Livius berichtet von einem Verstoß zweier junger Akarnanen aus dem 2. Jahrhundert vor Christus, die versehentlich den heiligen Bezirk von Eleusis betreten hatten. Während der Mysterien hatten sie sich der Menge angeschlossen und an der höchsten Weihe teilgenommen. Durch ungeschickte Fragen flog ihre unrechtmäßige Anwesenheit auf und sie wurden zu den Tempelvorstehern geführt und schließlich zum Tode verurteilt. Livius erklärte diesen "Hochmut der Athener" als Grund für den darauf folgenden Krieg mit dem makedonischen König Philipp, denn die Akarnanen, die die Bestrafung ihrer Landsleute als Demütigung ansahen, riefen ihren Bündnispartner um Hilfe.
Der Tragödiendichter Aischylos (525 - 456 v. Chr.) wurde beinahe Opfer des aufgebrachten Volkes, weil die Athener dachten, er hätte in seinen Dramen geheime Details der Mysterien verraten. Auch der Atheist Diagoras von Melos (geboren 475 v. Chr.) soll Geheimnisse der eleusischen Mysterien verraten haben und wurde von den Priestern verflucht. Zudem setzte man ein Kopfgeld gegen ihn aus und er musste nach Korinth fliehen.


7. Fazit

Charakteristisch für die Mysterien von Eleusis war die Identifikation mit der Gottheit. Demeter und Kore waren leidende Gottheiten, was es in anderen Kulten, wie z.B. denen um Attis und Kybele nicht gab. Die Mysten teilten den Leidensweg und die darauf folgende Freude der beiden Göttinnen. Die Mysterien forderten die Reinheit der Seele, die mit Reinigungsriten erreicht werden sollte. Dazu gehörte unter anderem das Fasten vor den Großen Mysterien.
Die soziale Stellung spielte bei der Weihe keine Rolle - jeder durfte an ihr teilnehmen. Der Unterschied bestand nur zwischen denen, die eingeweiht waren und denen, die nicht eingeweiht waren. Die Mysterien waren panhellenisch und der Kult verbreitete sich mit dem Aufstieg Athens zur Vormacht fast in der gesamten griechischen Welt.

Die höchste Weihe stellte eine Ambivalenz aus Angst und Freude dar. Zentral waren die Todesnähe und die symbolische Wiedergeburt auf die sich der zu Initiierende bei der Schau der Göttin Demeter bzw. Kore einließ. Eingebettet war dies in den Ackerbau-Kult. Heute fällt es uns schwer, die Berichte um die Epopteia nachzuvollziehen. Möglich ist, dass die Eingeweihten unter Drogeneinfluss standen. Das Wirken wird aber vielmehr dem körperlichen Erfahren der neuntägigen Mysterien zugeschrieben. Burkert zitiert Livius über die Bacchanalien, den römischen Feierlichkeiten zu Ehren des Bacchus, wonach die Teilnehmer "durch Mangel an Schlaf, Wein, Lärmen und Rufen die ganze Nacht hindurch betäubt" waren. Das Gesamterlebnis machte die Faszination aus: "Es führt kein Weg von der bloßen Beobachtung zur Erfahrung unmittelbarer Teilnahme. Kann man darüber sprechen, ohne sich all dem zu unterziehen, was dazugehört, Fasten, Reinigungen, Erschöpfung, Erschrecken, Erregung?"
Zentral war bei der Epopteia die Vision der Unterweltgöttin Kore, die Deiknomena. In einem Gesamtkonzept, dem Synthema, stand dies mit dem heiligen Tun, der Dromena. Die Dromena war das Hantieren mit den heiligen Gegenständen, über das uns (fast) nur Spekulationen bleiben. Wir wissen nicht, um welche Gegenstände es sich handelte, doch anhand der Gegenstände die öffentlich zur Schau gestellt wurden und anhand des Berichtes von Clemens von Alexandrien können wie auf Gegenstände schließen, die in irgendeiner Weise mit Saatgut und Ackerbau zu tun hatten. Vermutlich wurde das Hantieren mit den heiligen Gegenständen nur von dem so genannten Knabenzelebranten durchgeführt, vielleicht von mehreren Mysten, bestimmt aber nicht von allen, denn dies hätte ganz einfach bei einer Teilnehmerzahl von mehreren Tausend zu logistischen Problemen geführt. Der Höhepunkt des heiligen Sprechens, der Legomena, ist uns bekannt: der Hierophant rief aus voller Kehle "Brimo den Brimos".

Der Reiz, an den Mysterien von Eleusis teilzunehmen, rührte an der Geheimhaltung des Kultes auf der einen Seite, an den überschwänglichen Berichten Eingeweihter auf der anderen. Die Teilnehmer versprachen sich viel von den Erwartungen und Heilsversprechen. Vor allem die Bewältigung der Todesangst und die Hoffnung auf glückseliges Jenseits, aber auch die Begegnung mit dem eigenen Unterbewusstsein und letztlich die Hoffnung auf die Einbindung in den kosmischen Gesamtzusammenhang erklären die große Beliebtheit der Mysterien. Cicero lässt in seinem De legibus Markus die Mysterien von Eleusis wie folgt beschreiben: "… jene unübertrefflichen Mysterien, durch die wir uns aus einem primitiven und ungesitteten Leben zur Menschlichkeit fortentwickelt, […] in Wirklichkeit aber die Grundlagen des Lebens kennen gelernt und die Möglichkeit nicht nur eines Lebens in Freude, sondern auch eines Sterbens in der Hoffnung auf ein besseres Leben bekommen haben." Ein rein weltlicher Grund für die Teilnahme in Eleusis war die Hoffnung auf eine reiche Ernte.
Dazu kam die ungeheure Popularität - je mehr Menschen an den Feiern teilnahmen, desto größer wurde das Interesse bei Nichteingeweihten. Eine Rolle wird auch die Tatsache gespielt haben, dass das Einweihen in die eleusischen Mysterien die eigene persönliche Entscheidung war - niemand forderte die Einweihung, obwohl manchmal der gesellschaftliche Druck vorhanden gewesen sein kann.
Nicht zuletzt waren die eleusischen Mysterien für Athen ein Prestigeobjekt: Demeter hatte in Eleusis das Wissen um den Ackerbau an die Menschen weitergegeben - an die attische Bevölkerung. Somit war Eleusis Zivilisation stiftend und die Athener nahmen unter anderem dieses zum Anlass, das Geschenk der Göttin in die Welt hinauszubringen. Das römische Faible für die griechische Kultur sorgte für eine Kontinuität der Mysterien.

Anhand der oben aufgeführten Beispiele des Mysterienverrates wird die Strenge deutlich, die Athen in Bezug auf die Wahrung des Schweigegelübdes hegte: Alkibiades war Stratege im größten Feldzug der athenischen Flotte. Trotz dieser Position drohte ihm die Todesstrafe. Hätte Aischylos nicht so viele Fürsprecher in der Volksversammlung gehabt, er wäre wohl zum Tode verurteilt worden. Die beiden Arkanenen, die versehentlich den Tempelbezirk betreten hatten, wurden hingerichtet, obwohl dies einen Krieg mit den Makedonen auslöste. Wenn, wie Mylonas beschreibt, den Athenern die Mysterien so heilig waren wie ihre Demokratie - "Divulging the secrets of the cult was considered comparable to the destruction of democracy." - dann kann man diese Reaktionen verstehen.

Diese Hausarbeit konnte aufzeigen, was uns heute zu den Mysterien von Eleusis überliefert ist und was die Forschung aus dem Überlieferten schließt. Es wurden die Charakteristika der eleusischen Mysterien und die möglichen Abläufe der Epopteia genannt. Dazu wurde erklärt, warum die Mysterien so bedeutsam für die Teilnehmer waren und warum sie auf eine so lange Tradition zurückblicken können. Des Weiteren wurde dargelegt, warum die Geheimhaltung so elementar war und wir haben Beispiele des Mysterienverrats kennen gelernt. Das Geheimnis von Eleusis, der Teil der Feiern, der im Heiligtum von Eleusis stattfand, wird vielleicht nie erforscht werden können. Uns müssen die Quellenfragmente gepaart mit unseren Spekulationen reichen, um die Geschehnisse zu rekonstruieren. Hinter das Geheimnis kommen, werden wir aber niemals, so Burkert, denn selbst, wenn wir einen vollständigen Bericht hätten, ja Videoaufnahmen [...], bliebe wohl genug des Befremdenden, ja Unverständlichem. Auch Mylonas ist pessimistisch: "The secret of the Mysteries was kept a secret successfully and we shall perhaps never be able to fanthom it or unravel it." Dennoch darf man gespannt sein, ob irgendwann weitere Quellen gefunden werden, die Aufschluss über die Geheimnisse von Eleusis liefern.


Literaturverzeichnis

Primärquellen:

Andokides: Über die Mysterien 111-116 (Übers. A. Wittenburg).

Clemens von Alexandrien: Protrepikos 21, 2. zitiert aus Kloft, Hans: Mysterienkulte in der Antike, München 1999, S.21.

Clement of Alexandria: Exhortation to the Greeks, II 19. in: Goold, G.P.: The Loeb Classical Library: Clement of Alexandria: The Exhortation to the Greeks - The rich man's salvation and the fragments of an address entilted to the newly baptized, London 1919, S.43 ff.

Cicero: De legibus II, 36 in: Nickel, Rainer (Hrsg.): De legibus paradoxa stoicorum - Über die Gesetze, Stoische Paradoxien. Lateinisch und Deutsch, Zürich 1994.

Hippolytus: Refutatio omnium haeresium V 8, 39. zitiert aus Kerényi, Karl: Die Mysterien von Eleusis, Zürich 1962, S. 99.

Livius XXXI, 14, in: Hillen, H.-J. (Hrsg.): Tiberius Livius - Römische Geschichte, Buch XXXI-XXXIV. Lateinisch und Deutsch, München und Zürich, 1991.

Plutarch: Alkibiades, 19. in: Hoenn, Karl (Hrsg.): Die Bibliothek der Alten Welt, Große Reihe, Plutarch: Große Griechen und Römer, Zürich 1955.

Nachschlagewerke:

Cancik, Hubert, Schneider, Helmuth (Hrsg.): Der Neue Pauly - Enzyklopädie der Antike, Altertum. Band 8, Mer- Op, Stuttgart 2000.


Sekundärquellen:

Bleicken, Jochen: Die athenische Demokratie, Paderborn 1995.

Bremmer, Jan: Götter, Mythen und Heiligtümer im antiken Griechenland,
Darmstadt 1996.

Burkert, Walter: Antike Mysterien - Funktion und Gehalt, München 1994.

Foley, Helene P. (Hrsg.): The Homeric Hymn to Demeter: Translation, Commen-
tary, and Interpretive Essays. Princeton: Princeton University Press, 1998.

Kerényi, Karl: Die Mysterien von Eleusis, Zürich 1962.

Kloft, Hans: Mysterienkulte in der Antike, München 1999.

Mylonas, G. E.: Eleusis and the Eleusinian Mysteries, Princeton 1961.

Nilsson, Martin P.: Geschichte der griechischen Religionen, Band 1, Die
Religionen Griechenlands bis auf die Weltherrschaft, München 1955, S.653-663.

 
   
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